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Schuppanzigh und die neue Art, Quartett zu spielen

Ignaz Schuppanzigh war, wenn man so will, zusammen mit seiner geliebten Kunstform, dem Streichquartett, vom Liebhaber zum Berufsmusiker aufgestiegen. Um 1794 hatte er als Achtzehnjähriger bereits ein festes Streiquartett, das bis 1799 jeden Freitagabend im Salon des Fürsten Karl Lichnowsky spielte. Das Quartettspiel war zu der Zeit die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Wiener Gesellschaft. Noch 1811 können die "Vaterländischen Blätter" berichten:
"In dieser großen Residenz wird man wenige Häuser finden, in denen nicht an jedem Abend diese oder jene Familie sich mit einem Violinquartett unterhielte und, Dank sei Apollo, die einst so despotisch herrschenden Spielkarten darüber aus der Hand gelgt hätte"
Ab 1804 gab Schuppanzigh dann Quartettabende, deren damals kühne Neuerungen uns heute so selbstverständlich erscheinen:
"Die Konzerte waren öffentlich und für jedermann zugänglich.
Schuppanzigh spielte keine eigenen Stücke sondern stellte seine Kunst in den Dienst anspruchsvoller Musik. Er scheute sich nicht, Werke, von denen er überzeugt war, zuallererst die Quartette Beethovens, immer wieder zu spielen.
Die aufgeführten Stücke wurden nicht vom Blatt oder nach einer kurzen Leseprobe gespielt sondern gründlich studiert und geprobt."
Graf Andrej K. Rasumowskij bewies Gespür, als er das Schuppanzigh-Quartett 1808 anstelle einer Hauskapelle engagierte. Auch nach 1816, als sein Palais niedergebrannt war, und er kürzer treten mußte, bezahlte er den vier Musikern lebenslange Renten und sicherte sich so ihre öffentlichen Kammerkonzerte. Hand in Hand mit Schuppanzighs öffentlichem Wirken bagann das Quartettspiel im bürgerlichen Musikzimmer aus der Mode zu kommen. Dort übernahmen stattdessen die klavierspielenden Töchter das Regiment.
Schuppanzigh war von Schuberts Rosamundenquartett, das ihm gewidmet ist, "ganz begeistert" und führte es im März 1824 öffentlich auf. Daß er sich für Schubert einsetzte, gereicht ihm zur Ehre, war er doch völlig auf Beethoven eingeschworen, hatte gleichsam das Monopol auf dessen Streichquartette und Klaviertrios. Aber er scheint die im Vergleich zu Beethoven so völlig gegensätzlichen Qualitäten der Schubertschen Sprache erkannt zu haben. Schuberts Freund Moritz v. Schwind schrieb nach der Uraufführung des Rosamundenquartetts durch Schuppanzigh am 14. März 1824:
"Das Quartett von Schubert wurde aufgeführt, nach seiner Meinung etwas langsam aber sehr rein und zart. Es ist im ganzen sehr weich, aber von der Art, daß einem Melodie bleibt wie von Liedern, ganz Empfindung, und ganz ausgesprochen. Es erhielt viel Beifall, besonders der Menuett, der außerordentlich zart und natürlich ist..."

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