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Schubert und das Rosamundenquartett

Im Februar oder März des Jahres 1824 schrieb Franz Schubert sein a-moll Quartett. Es war dies keine glückliche Zeit für ihn. Er verzweifelte an seiner Krankheit und schrieb in einem Brief vom 31. März an Leopold Kupelwieser: "Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmermehr ! ...so kann ich jetzt alle Tage singen, denn jede Nacht, wenn ich schlafen gehe, hoff ich nicht mehr zu erwachen..." 
Ist es ein Zufall, daß in den ersten Takten des Quartetts die Gretchenklage anklingt ? Die Spinnradfigur, mit der die zweite Violine das Quartett eröffnet, ist nicht das einzige Selbstzitat in diesem Werk. Zu Recht fühlte Schubert, daß das wundervolle Andante-Thema in der Zwischenaktmusik zum Schauspiel "Rosamunde" ein Schattendasein führte und eine ausführlichere, kunstvollere Behandlung verdiente. So formte er aus dieser Idee den zweiten Satz, nach dem das Quartett den volkstümlichen Beinamen "Rosamunde" erhielt. Auch das Menuett mit samt seinem Trio erwuchs einem älteren Werk Schuberts, dem Lied "Schöne Welt" nach einer Gedichtstrophe von Schiller. Aus den ersten vier Takten dieses Liedes ("Schöne Welt, wo bist du ?") wurde das Menuett, aus den zweiten vier Takten ("Kehre wieder, holdes Blütenalter der Natur!") das Trio. Diese acht Takte enthalten bereits die für das ganze Quartett wichtige Gegenüberstellung von a-moll und A-dur. Nicht nur Menuett und Trio stehen in diesem Verhältnis, sondern auch der erste Satz und das Finale, und gleich zu Anfang des Werks erklingt das Hauptthema bereits nach 22 Takten in A-dur. Ob nun jenes Lied die Keimzelle des ganzen Quartetts war und Schubert als erstes das Menuett komponietrte, wissen wir nicht. Daß die beiden Mittelsätze in diesem Werk ein für klassische Maßstäbe außerordentliches Gewicht haben, ist unschwer zu hören.
Was den äußeren Erfolg angeht, sollte diese aus leidvoller Lage heraus entstandene Stück seinem Schöpfer viel Freude bereiten. Es wurde noch im Kompositionsjahr von einem Wiener Verleger gedruckt, das einzige Kammermusikwerk, dem diese Ehre zu Schuberts Lebzeiten zuteil wurde. Wichtiger noch, es gelang Schubert, mit diesem Stück einen Künstler für sich zu gewinnen, der in Wien zum Inbegriff der Kammermusik geworden war - Ignaz Schuppanzigh.

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