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Über die Sonatina von Eldin Burton

Die „Sonatina“ für Flöte und Klavier von Eldin Burton stellt ein Unikum im wahrsten Sinne des Wortes dar. Burton – selbst Pianist mit kompositorischen Ambitionen – hat an Werken außer diesem Stück wohl nur noch ein Flötenkonzert im Manuskript hinterlassen. Dieser Umstand und die Tatsache, dass eine Druckausgabe der „Sonatina“ wahrscheinlich aufgrund eines für die Komposition erhaltenen Preises des New Yorker Flöten-Club-Wettbewerbes im Jahre 1948 zustande gekommen ist, werfen ein eigentümliches Licht auf den 1913 geborenen Schöpfer, der möglicherweise im Jahre 1979 – nach anderen Quellen 1985 – verstarb.
Das dreisätzige Werk zeigt keine ausgeprägt persönliche Handschrift. Es überzeugt mehr durch konsequent durchgehaltene Spielfreude auf der Basis einer überwiegend impressionistisch-neoklassizistischen Schreibweise. Dass Debussy und Ravel in Form und Gusto Pate standen, zeigt sich allenthalben. Modale Linien, Mixturklangfarben und Bitonalität werden unbekümmert auf eine direkte Wirkung hin eingesetzt.
Der erste Satz beginnt lyrisch in traditionalistischer Form mit Melodie und Begleitung, um in einem erregten Mittelteil, rhythmisch aufgeladen, zu kulminieren.
Die anschließende Reprise beruhigt, nicht ohne hier und da noch einmal etwas von der Emphase des Mittelteiles aufleuchten zu lassen. Das häufige Aufscheinen der Tonart E-Moll/Dur bildet dabei eine Art Grundtonbezug. Der gleichfalls dreiteilige Mittelsatz bringt keinen eigentlichen Kontrast zum Kopfsatz, benutzt die gleichen formalen und harmonischen Gestaltungsmuster. Das abschließende Allegro giocoso, quasi fandango steht dem schwungvollen, mit Modalharmonik gewürzten Sätzen Chabriers oder Ravels nahe. Auch hier sind vor allem ungezügelte Spielfreude und die Lust an der spontanen musikalischen Erfahrung ausschlaggebende Gestaltungsmomente. Diese Musik genügt auf persuasorische Weise sich selbst.
(Text: Michael Stöckigt)
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