Home CASTIGO CLASSIC RECORDINGS

Über Aaron Coplands Duo

Aaron Copland, geboren 1900, bis zu seinem Tode 1992 der Nestor der amerikanischen Komponisten, zählt zusammen mit Charles Ives und George
Gershwin zu den bekanntesten Vertretern einer genuin national gefärbten Musik in den USA.
Nach seinem Studium bei Nadia Boulanger in Paris ab 1921 erregte er in der Folgezeit mit einigen vorwiegend rhythmisch-metrisch experimentierenden
Werken in stellenweise punktuell-minimalistischer Schreibweise Aufsehen. Ab den dreißiger Jahren fand er mit Werken wie „El Salon Mexico“ und später dem
Ballett „Appalachian Spring“ oder auch der dritten Sinfonie zu einem Stil, der in überzeugender Weise zeitgenössisches Potential mit volkstümlichen Elementen
zu einem spezifisch amerikanischen Idiom verschmolz.
Die damit verbundenen, teils relativ einfach gehaltenen, musikalischen Strukturen von unmittelbarer Wirkungskraft zeigen sich am Treffendsten u.a. in Werken wie der Violin-Sonate oder in Teilen des Klarinettenkonzertes.
Das „Duo für Flöte und Klavier“ entstand in den Jahren 1969-1971 im Auftrag von Schülern und Freunden des langjährigen Soloflötisten des Philadelphia
Orchestra William Kincaid. In diesem Werk finden sich auf anschauliche weise typische, unterschiedliche Stilmerkmale Coplands wieder. Zu Beginn des ersten
Satzes erklingen in der Flöte kurze modale Phrasen, die athmosphärisch-kontemplative Stimmung erzeugen. In der Verdichtung durch die Klanglichkeit des Klaviers entstehen akkordische Formen, die zu einem bewegten, polyphon beeinflussten Mittelteil führen. Der zweite Satz ist das eigentliche „emotionale Herz“ (Neil Butterworth) der ganzen Komposition. Hier werden stilisiertes Glockengeläut und Klage über den Verlust eines geschätzten Menschen zu einem beeindruckenden „Tombeau“ kombiniert. Im abschließenden Satz finden wir neben temperamentvoller Melodik und Gestik auch wieder Aspekte einer aphoristisch anmutenden kleinmotivischen Gestaltungsweise, die für den frühen Copland so bezeichnend ist.
Copland äußerte sich selbst zu dem intellektuellen Vorwurf des Werkes: Es ist ein lyrisches Stück in recht pastoralem Stil. Schon per definitionem müsste es das eigentlich sein, denn: kann man etwas Größeres für Flöte schreiben, das nicht die gesanglichen Qualitäten dieses Instrumentes betont? Natürlich könnte man sich zunächst auf überspannte Effekte beschränken, aber das lyrische Moment ist meiner Meinung nach in dieses Instrument eingebaut.“
(Text: Michael Stöckigt)
Aktuelles | Links | AGB | Kontakt | Impressum
© 2017 castigo.de