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Über Sergej Prokofjews Flötensonate op.94

Die zum Ende des Sommers 1943 fertig gestellte Flötensonate Sergej Prokofiews hat von der Idee her den Komponisten lange beschäftigt. Schon während seiner Zeit in Frankreich in den zwanziger Jahren kam ihm nach dem Erlebnis eines Konzertes mit dem französischen Flötisten Barer, dessen Spiel mit seinem „himmlischen Klang“ ihn faszinierte, der Gedanke an ein größeres Stück für dieses Instrument. Die Sonate ist durchweg klassizistisch ausgerichtet.
Der Komponist versuchte, im Wesentlichen, melodische Einprägsamkeit, überschaubare Harmonik und durchsichtige Faktur mit seinen eigenen stilistischen Mitteln zu koppeln.
Der erste, lyrisch betonte Satz zeigt die klassische Sonatenhauptsatzform mit erstem und zweitem Thema, Durchführung und Reprise einschließlich Wiederholung der Exposition. Sämtliche melodischen Einfälle, aus denen das träumerische erste, sowie das weniger kontrastierende denn das musikalische Geschehen komplettierende zweite Thema bestehen, werden im Durchführungsteil verarbeitet, und kulminieren in einer konsequent angelegten Steigerung. Streng klassisch auch die Reprise, die das Material der Exposition fast genau wiederholt. Eine kurze Coda beschließt den Satz in ruhiger, gelöster Form. Der zweite Satz – ein Scherzo – ist in seiner ungestümen Bewegungsart und seinen hartnäckigen Betonungen echter Prokofiew. Das folgende Andante nimmt den Lyrismus des ersten Satzes wieder auf. Es stellt sich dar als einfacher Liedsatz in überschaubarer A-B-A-Form. Die Figurationen des Mittelteils werden mit der Wiederkehr der anrührenden, aufrichtigen Melodie des Hauptteils in der Reprise auf originelle Art und Weise verbunden. Der an musikalischen Gestalten reichste Satz ist der letzte. Hier finden sich noch einmal alle Tugenden der Instrumentalmusik des 18. Jahrhunderts: Symmetrie in der Themenbildung, klar konturierte, kontrastierende Motivik – all das kombiniert mit typisch Prokofiewischen harmonischen Pikanterien, einer Art buffoneskem Kolorit (wie etwa die „klavierübungsgemäßen“ Figuren des zweiten Themas). Dazu kommt die Einführung eines dritten Themas im Mittelteil als weit schwingende, emotional ausladende Kantilene. Die Sonate endet mit einer kraftvollen Bestätigung des dem Finale zugrunde liegenden Hauptgedankens.
(Text: Michael Stöckigt)
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