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Glanzberg, Norbert

Norbert Glanzberg wurde 1910 in Rohatyn/Galizien geboren. Nach dem Umzug der Familie aus der k.u.k. Monarchie nach Würzburg/Deutschland wurde er als Jungstudent am Bayerischen Staatskonservatorium aufgenommen, wo er Klavier, Dirigieren und Komposition studierte.

1928 wurde Glanzberg Kapellmeister-Eleve am Würzburger Stadttheater. Weitere Stationen waren Aachen und schließlich Berlin, wo seine Tätigkeit als Filmkomponist der legendären UFA erste Erfolge zeitigte und er unter anderem die „Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán in den Haller-Revuen in der Friedrichstraße dirigierte. 1931 komponierte er für den Billy Wilder-Film „Der falsche Ehemann“ die Musik, u.a. das Lied „Hasch mich“, das, von den Comedian Harmonists gesungen, sehr erfolgreich war.

 Mit der anhebenden rassistischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten hatte Glanzberg als Jude ab 1933 in Deutschland keine Existenzsicherung und Lebensperspektive mehr. Er emigrierte 1934 nach Frankreich.

 Zunächst erhielt Glanzberg in Frankreich keine Arbeitserlaubnis. So musste er sich anfangs als Straßenmusikant durchschlagen. Später durfte er sporadisch Opern in verschiedenen Städten dirigieren. 1938 bekam er Kontakt mit bekannten französischen Chansonsängerinnen, für die er Chansons komponierte, die umgehend reüssierten. Mit der Besetzung Frankreichs durch Hitlerdeutschland drohte Glanzberg ab 1940 die Deportation. Erneut mittellos – die deutschen Truppen hatten das Geld jüdischer Komponisten konfisziert – nahm sich Edith Piaf seiner an, stellte ihn als Pianisten ein und und verschaffte ihm schließlich ein Versteck. Glanzberg wurde jedoch denunziert und von der französischen Miliz ins Gefängnis gebracht. Dorthin kam die deutsche Organisation Todt, welche die Juden zur Deportation aussuchte. Glanzberg stand bereits auf der Liste. Ein französischer Gefängniswärter, sekundiert von einflussreichen Künstlern, rettete ihn. Glanzberg konnte fliehen und endlich erfolgreich untertauchen. Nach Kriegsende wählte Glanzberg Paris zu seinem ständigen Wohnsitz.

Nach 1945 komponierte Glanzberg Welterfolge für Stars wie Yves Montand, Petula Clark, Maurice Chevalier und Edith Piaf – darunter etwa die Chansons „Les grands boulevards“, „Mon manège à moi“ („Tu Me Fais Tourner La Tête“) und „Padam...Padam“. Auch als Filmkomponist erlangte er internationalen Ruhm, so als einer der drei Score-Writer des Oscar-prämierten Kinofilms „Mon oncle“ (Jacques Tati).

Gerade in der Zurückgezogenheit des Alters wurde für Glanzberg die traumatische Erinnerungslast des Nazi-Terrors zur psychischen Qual. Über die Revitalisierung jener spätromantischen „E-Musik“, die er am Würzburger Konservatorium studiert hatte, gelang ihm ein Stück persönlicher Traumabewältigung. Norbert Glanzberg starb im Februar 2001 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine.

 

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