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Gubaidulina, Sofia

„Ernste Musik hat eine wichtige innere Aufgabe. Sie stellt die notwendige Distanz zur Außenwelt her… Ich persönlich leide unter der Außenwelt. Das Leben ist sehr interessant, aber oberflächlich.“ (Sofia Gubaidulina)

Ihre Mutter war Lehrerin, der Vater Landvermesser. Mit sechs Jahren ging sie zur Kindermusikschule, mit acht Jahren begann sie zu komponieren. Sie besuchte ein Musikgymnasium, studierte Klavier und Komposition am Konservatorium von Kasan, später wechselte sie zum Moskauer Konservatorium über. Sie heiratete mit 25 Jahren, drei Jahre später wurde ihre Tochter Nadeschda geboren, Anfang der 60er Jahre trennte sie sich von ihrem Mann. Seit 1963 als freischaffende Komponistin tätig, erhielt sie bald die ersten Preise und Auszeichnungen. Um Geld zu verdienen und ihren Horizont zu erweitern, befaßte sie sich mit Filmmusik und vertonte etwa 25 Dokumentar-, Trick- und Spielfilme. 1973 heiratete sie den angesehenen Musiktheoretiker Pjotr Meschtschaninow.

1975 gründete Gubaidulina (der Akzent liegt auf der dritten Silbe) zusammen mit zwei Musikern ein „Komponistenlabor“, eine Gruppe, die zu zweit oder zu dritt mit ungewöhnlichen Klängen und Instrumenten improvisierte und die auch in Jazzclubs auftrat. Nie machte sie im kommunistischen Rußland einen Hehl aus ihrer religiösen Überzeugung. Nach und nach wurde der Westen auf sie aufmerksam, sie reiste zu Festivals, ihre Werke wurden aufgeführt und schlugen das Publikum überall in der Welt in ihren Bann. Inzwischen gibt es mehrere CDs mit ihren Werken; Gubaidulina, international bekannt und beliebt, lebt derzeit in der Nähe von Hamburg.

Was ist ihr Geheimnis? Ihre Schreibweise ist plastisch und gut nachvollziehbar, formal und dramaturgisch klar gezeichnet, voller Bezüge auf die musikalische Tradition und emotional von hoher Leuchtkraft, so daß sich das Hören ihrer Musik bereits bei der ersten Begegnung zu einem Erlebnis gestaltet. Es ist die Suche nach einer geistigen Welt, die vom alltäglichen Zeiterleben abgekoppelt ist. Aber ihre Musik ist nicht nur verinnerlicht, sie kann auch spielerisch-witzig sein, wie beispielsweise in den „Galgenliedern“. Unberührt von den modischen Stilrichtungen bezieht sie sich auf ihre tatarische Abstammung, die sich in einer östlichen Geisteshaltung ausprägt, vor allem, was das Verhältnis zur Zeit betrifft. Zugleich ist sie der deutschen Kultur innerlich verbunden. Vor allem komponiert sie mit der Seele, und jedes Stück, das aufgeführt wird, berührt tief-verborgene Schichten, wenn man sich den Klängen öffnet. 


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